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„Das schwör ich dir, bei meinem hohen Namen,
mein guter Klaus,
ich bin aus altem Samen!“
„Das ist nicht gut“, erwidert Klaus,
„Oft artet alter Samen aus.“
(Gottfried August Bürger)

www.martinakempff.de

Meine Bücher


Signierte Bücher
- Nachworte - Meine Bücher

Signierte Bücher:

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Dr. Walter Vennen, Inhaber der Buchhandlung Schmetz am Dom in Aachen

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Nachworte:

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Meine Bücher

Anthologien hier

- der neue Eifelkrimi -
Umkehrschuss

ab Oktober 2017

Die Schattenjägerin
Das Schicksal der Jakoba von Bayern

Kehrblechblues:

als E-Book

- Neuauflage - Als E-Book

Als E-Book

 
   
Die Teufelsbraut zu Aachen

Die Rebellin von Mykonos

Die Marketenderin

  Leseprobe
Nachwort
*neu*
Leseprobe;
Nachwort
     
Einkehr zum tödlichen Frieden
(Taschenbuch)
Pendelverkehr
(Taschenbuch)
Kehraus für eine Leiche
(Taschenbuch)
Einkehr zum tödlichen Frieden / Kriminalistin Katja Klein Bd.1
Bis in die hinterste Eifel muss die Großstädterin Katja Klein reisen, um endlich ihren Bruder kennenzulernen. Schließlich findet sie ihn erschlagen in einer Blutlache. Wie soll sie beweisen, dass sie dem Mann noch nie zuvor begegnet ist? Furchtlos beginnt die Journalistin selbst zu ermitteln und taucht so immer tiefer in die Abgründe ihrer unbekannten Familiengeschichte ein. Pendelverkehr / Kriminalistin Katja Klein Bd.2
Katja Klein kann nichts mehr erschüttern. Verrat, Lug, Betrug, übelste Verbrechen, ja selbst Morde hat sie hautnah erlebt und nur mit knapper Not überlebt. Aber jetzt ist in ihr Leben endlich Ruhe eingekehrt. Im Grenzort Kehr in der so genannten Schnee-Eifel will sie in Kürze ihr eigenes Restaurant eröffnen. Nur sind Träume bekanntlich Schäume, denn natürlich dauert es nicht lange, bis die leicht übergewichtige Genießerin die nächsten Todesfälle in ihrem Umfeld nicht nur zu beklagen, sondern auch aufzuklären hat. Kehraus für eine Leiche / Kriminalistin Katja Klein Bd.3
Ein junger Kölner liegt erstochen im belgischen Eiterbach. Die erste Spur führt Polizeiinspektor Marcel Langer in den Eifeler Grenzort Kehr - direkt vor die Tür des gerade erst eröffneten Restaurants seiner Freundin Katja Klein. Kurz darauf wird in unmittelbarer Nähe eine zweite Leiche gefunden. Wer steckt hinter diesen Anschlägen? Etwa der Betreiber des finsteren Gnadenhofs, der seine Familie tyrannisiert? Erste Antworten finden Katja und Marcel im Kölner Rotlichtmilieu. Als Katja in ihrer Eifeler Nachbarschaft auf eigene Faust weiter ermittelt, gerät sie selbst in höchste Lebensgefahr.
als E-Book
als E-Book
als E-Book
Leseprobe
     
Knochen im Kehricht
(Taschenbuch)
Bekehrung
Wiederkehr

Knochen im Kehricht / Kriminalistin Katja Klein Bd.4
In der Feuerstelle wird bei der Sanierung von Katja Kleins Bruchsteinhaus auf der Kehr eine Leiche gefunden - oder vielmehr das, was von ihr übrig blieb: Knochen. Wer war dieser geheimnisvolle Mann, der schon in den Fünfzigerjahren dort eingemauert wurde? Ein Schmuggler? Ein Zöllner? Ist er etwa von Katjas Vater ermordet worden? Während Polizeiinspektor Marcel Langer diesen Fragen nachgeht, gibt es eine weitere Leiche. Diesmal aber eine ganz frische. Bekehrung 
Der Winter hat das Grenzörtchen Kehr fest im Griff. Eine elegante Frau hat sich durch den Schneesturm gekämpft und sitzt nun in Katja Kleins Restaurant. Als ein fremder Mann eintritt, steht die Frau lächelnd auf - und schießt ihm in die Brust. Dann verschwindet sie in der eisigen Nacht. Das Rendezvous mit dem Tod ist Auftakt zu einem spannenden Krimi um Glaube und Gehorsam - und um Katjas neu entdeckte Liebe zur rauen unwirtlichen Eifel (und zum knorrigen belgischen Polizeiinspektor Langer).
als E-Book
   
     
Die Königsmacherin
(Taschenbuch)
Die Beutefrau
(Taschenbuch)
Die Königsmacherin
Sommer 741: Ein prunkvoller Reisezug begleitet Bertrada auf dem Weg nach Saint Denis, wo Pippin, der Sohn Karl Martells, sie zur Hochzeit erwartet doch er heiratet die falsche Frau. Jahre später wird diese Grafentochter dennoch zu einer der mächtigsten Frauen des Frühmittelalters. Dank ihres Muts und ihres diplomatischen Geschicks wird sie zur Königin und ihrem Sohn Karl eine kluge Ratgeberin. Doch verbirgt sich hinter »Berta mit dem großen Fuß« auch eine leidenschaftliche Frau, die sich für schwere Demütigungen fürchterlich rächt und dabei mitunter auf die unkontrollierbaren Mächte der Magie zurückgreift.»Ein pralles Stück Historie, das ein ganzes Zeitalter zum Leben erweckt.« Aachener Zeitung Die Beutefrau
Drei Jahre alt ist Gerswind, die Tochter des Sachsenfürsten Widukind, als sie im Jahr 785 als lebende Kriegsbeute zu Karl dem Großen gebracht wird. Der König der Franken beschließt, das Mädchen für lange Zeit als Geisel am Hof zu behalten - bis, viele Jahre später, etwas geschieht, was der jungen Sächsin eine unumstößliche Macht über den bedeutendsten Herrscher des Mittelalters verleiht - Ein fesselnder Roman um eine eigenwillige Frau, die durch ihre Liebe die europäische Geschichte des frühen Mittelalters entscheidend beeinflusste. Und ein unnachahmlicher Einblick in das sinnenfreudige Leben am Aachener Hof Karls des Großen.

als E-Book;
Taschenbuch;
Leseprobe
als E-Book;
gebunden (gebraucht);
Leseprobe
     
Die Welfenkaiserin
(Taschenbuch)
Die Kathedrale der Ketzerin
(Taschenbuch)
Die Schattenjägerin (Taschenbuch, gebraucht)
Die Welfenkaiserin
Schön soll sie sein, noch Jungfrau und kleine Füße haben: Auf einer Brautschau will Kaiser Ludwig der Fromme, der Sohn Karls des Großen, eine neue Gemahlin finden. Er entscheidet sich für die kluge und eigenwillige Welfentochter Judith, die schon bald die Geschicke des Reichs entscheidend beeinflusst. Damit macht sie sich Ludwigs erwachsene Söhne zum Feind, und ein heftiger Kampf um das Erbe Karls beginnt - ein Kampf, der Judith das Leben kosten kann. Die Kathedrale der Ketzerin
Ein farbenprächtiger Mittelalterroman um die französische Königin Blanka von Kastilien und ihre Cousine Clara, die an Blankas Hof lebt und sich dennoch der verbotenen Religion der Katharer zuwendet.

"Tötet sie alle, Gott wird die Seinen erkennen!" Doch Clara überlebt, als das Kreuzfahrerheer auf dem Feldzug gegen die ketzerischen Katharer alle Bewohner von Marmande niedermetzelt. Mit ihrem Retter Graf Theobald von Champagne fühlt sie sich in tiefer Liebe verbunden. Der berühmte Troubadour hat aber nur Augen für ihre Ziehmutter Blanka von Kastilien. Clara findet Trost im Glauben der Katharer und begibt sich damit in große Gefahr, denn Blankas Gemahl, der französische König, hat geschworen, die Ketzer mit allen Mitteln zu bekämpfen.
als E-Book;
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(gebraucht)
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Leseprobe
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als E-Book;
Leseprobe

     
     
Die Gabe der Zeichnerin
(gebunden)
Die Frau,
die nichts tut

(E-Book)
Die Eigensinnige
Die Gabe der Zeichnerin
Der Dombau zu Aachen: das größte Rätsel, das Karl der Große der Nachwelt hinterlassen hat. Wie konnte es damals gelingen, die mächtige Steinkuppel zu wölben? Den Schlüssel hält die begabte Tochter eines Baumeisters aus Bagdad in Händen. Doch als junge Frau ist es ihr unmöglich, ihren Vater zu unterstützen. Deshalb reist sie als Mann verkleidet an den Hof des großen Karolinger Königs - und lernt den Sohn des königlichen Baumeisters kennen, für den sie bald mehr empfindet, als gut für die gemeinsame Sache ist. Die Eigensinnige
Iris hat eines aus ihrer Familiengeschichte gelernt: Liebe und Tatendrang bringen nur Unglück. Sie beschränkt ihr Leben darauf, die Welt lakonisch zu betrachten und sich aus allem herauszuhalten. Als ihr Nichtstun auf einer einsamen Insel in Finnland bedroht scheint, setzt sie sich nach Berlin ab. Dort wird sie in turbulente Ereignisse verwickelt, die sie zum Handeln zwingen. Erneut flüchtet Iris, diesmal vor der Liebe.
Leseprobe  
     
Anthologien. Beiträge von mir befinden sich in:
 
Gelegenheit macht Liebe
Mörderisch Bergisch!
12 Kurzkrimis

Karl - Geschichten eines Großen

Gelegenheit macht Liebe
Ein milder Herbstabend, ein rauschendes Fest, ein samtäugiger Verehrer. Und plötzlich ist es da, dieses Kribbeln im Bauch. Der Beginn einer großen Liebe? Oder doch nur der Anfang vom Ende mit Kummer und Tränen? In diesem Buch sind herrlich romantische, aber auch bissige und zum Teil mörderische Kurzgeschichten zum Thema »Liebe« versammelt - eigens für diese Anthologie verfasst von den Erfolgsautorinnen Kim Schneyder, Katrin Tempel, Susanne Mischke, Martina Kempff, Nicola Förg, Gisa Pauly, Heidi Hohner, Blanca Imboden, Mina Wolf, Katharina Gerwens und Nicola Joens. Herausgegeben und mit einer bisher unveröffentlichten Geschichte von Gaby Hauptmann. Mörderisch Bergisch!
Die Anthologie "Mörderisch Bergisch!" enthält Kurzkrimis von Oliver Buslau, Werner Geismar, Daniel Juhr, Martina Kempff, Felix Lothar, Harry Luck, Henrike Madest, Stefan Melneczuk, Moritz Platzer, Michael Schreckenberg, Hagen Thiele und Monika Wilhelmi. Karl - Geschichten eines Großen
Karl der Große Stammvater Europas? Gründer Aachens? Was hat es auf sich mit dem Großen, dem ersten Kaiser des Frankenreichs? 
Den vielfältigen Antworten auf diese Fragen haben sich Autoren, Journalisten und Historiker angenähert und betrachten den großen Karl aus verschiedenen Blickwinkeln.
Wer war Karl? Wer waren seine Frauen, sein Bruder, sein Vater?
Die Anthologie zum Karlsjahr erzählt vom Frankenreich, von Aachen und dem Dombau, vom 
Leben und Nachleben eines Herrschers.
Für diese Sammlung konnten die Herausgeber vielseitige Autoren gewinnen: Die Schrift-steller Anja Grevener, Günter Krieger, Christian Lange, Henning Mützlitz, Andreas J. Schulte, Christian Vogt sowie die beiden Herausgeber Michael Kuhn und Judith C. Vogt steuern Geschichten und Essays bei.
Historiker, Politikwissenschaftler, Journalisten und Geschichtsvereine in und um Aachen 
melden sich zu Wort und beschreiben ihr Verhältnis zu Karl.
Frank Schablewski nähert sich Karl in Lyrik an.
Bestsellerautorin Martina Kempff schreibt über den Dompfennig.
Dazu rundet ein bebilderter Karl-Reiseführer das Buch ab, das Karl den Großen anlässlich 
seines 1200. Todestag in zahlreichen Facetten zeigt.
als E-Book
   
     
Tatort Eifel 2 (E-Book)
Tatort Eifel 3
Tatort Eifel 5
Tatort Eifel 2 (eBook, ePUB)
Ein Land mit rauem Charme. Deutschlands Krimilandschaft Nr.1 inspiriert seit vielen Jahren Autorinnen und Autoren zu Mordgeschichten der besonderen Art. Zum zweiten Mal versammelt Jacques Berndorf seine Lieblingskollegen mit ihren mörderischen Texten. Herausgekommen ist ein Krimi-Lesebuch der besonderen Art, in dem das Mordsvergnügen in all seinen Facetten daherkommt, von hart bis zart, von blutrot bis tiefschwarz. Alle zwei Jahre wird anlässlich des großen Krimifestivals TATORT EIFEL der Deutsche Kurzkrimipreis für die beste Kriminalkurzgeschichte verliehen. In diesem Band lesen Sie zum ersten Mal die besten Wettbewerbsbeiträge des Jahres 2009. Mit von der mörderischen Partie sind diesmal Carola Clasen, Ralf Kramp, Martina Kempff, Carsten Sebastian Henn, Tatjana Kruse und viele andere Schreibtischtäter. Tatort Eifel
Die Idylle trügt im Wilden Westen Deutschlands. Die Eifel ist mit weitem Abstand die mörderischste Provinz. Freilich nur was das literarische Verbrechen angeht. 
Anlässlich des Krimifestivals Tatort Eifel geht das muntere Meucheln nun wieder in eine neue Runde. Ralf Kramp hat handverlesene Auftragsmörder in die Vulkaneifel geschickt, und sie haben tödliche Waffen im Gepäck. Mit Gift und Revolver, mit Hackebeil und Strick sind sie über die unbescholtenen Dörfer hergefallen und haben Geschichten verfasst, die mal fintenreich-knifflig, mal schaurig-schräg oder schrecklich spannend daherkommen.
Ein buntes, mörderisches Lesevergnügen aus Deutschlands Krimilandschaft Nummer eins mit Jürgen und Marita Alberts, Jacques Berndorf, Guido M. Breuer, Carola Clasen, Stephan Everling, Brigitte Glaser, Carsten Sebastian Henn, Rudi Jagusch, Gabi Keiser, Martina Kempff, Ralf Kramp, Erika Kroell, Tatjana Kruse, Elke Pistor, Klaus Stickelbroeck und Uwe Voehl. Darüber hinaus enthält dieser Band auch exklusiv die sechs Finalisten-Storys des Deutschen Kurzkrimi-Preises 2011.
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  Tatort Eifel 6

 
   

 

„Die Marketenderin – mit Napoleon in Russland“;
Nachwort zur überarbeiteten Neuauflage

Schlage die Trommel und fürchte dich nicht
Und küsse die Marketenderin!
Das ist die ganze Wissenschaft,
Das ist der Bücher tiefster Sinn.
- Heinrich Heine -

Der Marketenderin habe ich sehr viel zu verdanken. Zu allererst natürlich mein Leben: Auguste Juliane Assenheimer, die mit Napoleons Truppen nach Moskau zog, war meine Urururgroßmutter. Ohne sie hätte es mich also nicht gegeben.

Und ohne sie wäre ich vermutlich nie Schriftstellerin geworden. Diesen Berufswunsch hatte ich zwar schon als Sechsjährige geäußert, ihn aber nach vielen vergeblichen Anläufen jahrzehntelang ad acta gelegt. Ich war Mitte vierzig und arbeitete in Amsterdam als Journalistin und Übersetzerin, als plötzlich mit meinem entfernten Verwandten Gerhard Schreiber auch die Marketenderin und Johannes Gerter in mein Leben traten.

Gerhard Schreiber (1922–2007) stammte nicht nur ebenfalls von Juliane Assenheimer ab, sondern hat in vierter Generation als letzter Nachfahre genau jenen Verlag weitergeführt, den ihr Sohn Jakob Ferdinand, 1831 gegründet hatte.

Kurz bevor Gerhard in den Ruhestand ging und der I.F. Schreiber Verlag erstmals in familienferne Hände übergeben wurde, entdeckte er im Archiv das 1838 veröffentlichte Tagebuch eines württembergischen Leutnants, der den grausamen Feldzug 1812 überlebt hatte. Gerhard schlug mir vor, daraus einen Roman zu machen und ihn mit unserer gemeinsamen Familiengeschichte zu verknüpfen. Das Thema reizte mich, doch angesichts meiner früheren schlechten Erfahrungen mit eingesandten Manuskripten beschied ich ihm, ohne bindende Zusicherung eines Verlags niemals wieder ein Buch zu schreiben. Mein Cousin überredete mich, eine Leseprobe zu verfassen, mit der er dann bei rund fünfzig Verlagen vorstellig wurde und nur Absagen erhielt – übrigens auch von dem Verlag, der ein Jahr später viel Geld für die ersten Taschenbuchrechte zahlen sollte! Als einstiger Verleger hatte sich Gerhard Schreiber von Ablehnungen nämlich nicht so leicht abschrecken lassen und schließlich vom Weitbrecht Verlag in Stuttgart die Zusage erhalten. Da machte ich mich an die Arbeit.

Als Leitfaden diente mir das schmale Bändchen mit dem sonderbaren Titel „Die Württemberger in Russland – Denkwürdiges aus dem Jahr 1812“, das Gerhard in seinem Verlag ausgegraben hatte. Der Autor dieses unglaublich eindrucksvollen Zeugnisses eines wahnsinnigen Feldzuges und seiner grausamen Folgen musste Gründe gehabt haben, anonym bleiben zu wollen.

„Von einem Württembergischer Officier“ steht auf dem Buchdeckel, über den in Sütterlin handschriftlich „Johannes Gerter“ gekritzelt worden ist. Deshalb vermuteten wir hinter diesem Namen den Tagebuchschreiber, auch wenn wir ihn in den Archiven nicht unter den bekannten Überlebenden des Feldzugs entdecken konnten. Möglicherweise befürchtete der Autor Repressalien, da er in seinem Werk ohne jegliche Beschönigung Ross und Reiter nennt. Allerdings tut er sich selbst im Nachhinein durchaus schwer damit, Napoleon die Hauptschuld am Scheitern des wahnwitzigen Unternehmens zu geben. Er macht – wie andere mehr als hundert Jahre später im Zweiten Weltkrieg - das Klima für die Katastrophe verantwortlich: „Nun ging es von Moskau »rückwärts«, mit Eintritt des fürchterlichen nordischen Winters; die Summe aller Leiden sollte nun beginnen und in immer schrecklicherer Steigerung das schönste und zahlreichste Heer, das die Welt je gesehen, auf russischer Erde vertilgen!“

Der Sinnspruch auf dem Titelblatt verweist jedoch durchaus auf vorsichtige Kritik am französischen Kaiser: „Wen Jupiter verderben will, den verblendet er.“

Ich habe jedem Kapitel des Romans eine entsprechende Passage aus dem Tagebuch in der Orthografie des Originals vorangestellt. Eine allgemein verbindliche Rechtschreibung gab es damals noch nicht. Ja, nicht einmal eine individuelle: Der Autor handhabt beim gleichen Wort oftmals unterschiedliche Schreibweisen.

Ich muss allerdings gestehen, dass ich aus dramaturgischen Gründen ein einziges Mal den Originaltext verfälscht habe. Die ersten beiden Sätze im Vorspann zum letzten Kapitel stammen von mir: „Wäre auch das Ziel der Freiheit entfernter gelegen, so sicherte mir doch der längere Aufenthalt in Moskau eine angenehme und sorgenfreie Existenz. Wie es anderen gefangenen Cameraden andernorts erging, vernahm ich von russischen Offizieren, die im Hause Zimmermann ihre Aufwartung machten.“ Der Autor selbst war nämlich auch „andernorts“ in Gefangenschaft und ist erst sehr viel später nach Moskau zurückgekehrt. Manche Orte, die er im Tagebuch erwähnt, gibt es heute nicht mehr. Vielleicht sind sie gänzlich vernichtet oder umbenannt worden. Später hat sich auch mein französischer Übersetzer Claude-Cyrill Laurent mit diesen Namen herumgeschlagen – bis heute wissen wir zum Beispiel nicht, wo genau der im Tagebuch erwähnte Ort Evé sein soll. Ich habe ihn auch nicht auf alten Landkarten aufspüren können. Das Tagebuch kann heute übrigens im Württembergischen Landesmuseum in Stuttgart eingesehen werden.

Von den Beschreibungen der Kriegshandlungen, der Orte und Schreckenstaten habe ich nichts erfunden. Ich tauchte tief in die Geschichte dieses Feldzugs ein; auf meinem Schreibtisch stapelte sich jede Menge Literatur zum Thema. Herausheben möchte ich das vorzügliche Buch von Nigel Nicolson: „Napoleon in Rußland“ (Benziger Verlag), das wie gerufen genau in jenen Tagen in Deutschland herauskam, als ich mit der Arbeit an meinem Roman begonnen hatte.

Gerhard Schreibers Idee, die Ereignisse aus dem Tagebuch mit unserer gemeinsamen Familiengeschichte zu verbinden, stellte mich vor eine sehr schwierige Aufgabe. Es gibt zwar reichlich Material über den Sohn der Marketenderin Jakob Ferdinand Schreiber (siehe den Auszug aus den Memoiren meines Vaters), aber das Schicksal seiner Eltern liegt im Dunklen. Ich fragte in der Familie herum. Manche Nachkommen glaubten zu wissen, dass Matthäus und Juliane zusammen aus dem Krieg zurückgekehrt waren, andere hielten sich an vermeintliche Überlieferungen, beide seien an der Beresina umgekommen. Auch Gerhard Schreiber war zunächst von dieser Version überzeugt.

Leider lebte mein familienforschender Vater nicht mehr, als ich mit den Recherchen begann. Doch in seinem Nachlass fand ich einen Bezug zu einem Kirchenbucheintrag, wonach Auguste Juliane Assenheimer (Marketenderin) am 18.10.1823 in Ulm gestorben sein soll.

Sie ist also auf jeden Fall zurückgekehrt.

Die schlechte Quellenlage könnte einem überlieferten familiären Unbehagen geschuldet sein: Der Korporal und die Marketenderin hatten vor dem Feldzug den damals schon dreijährigen Jakob einfach in der Ulmer Kaserne zurückgelassen. Mit neun kam er in ein Militärwaisenhaus. Nach ihrer Rückkehr aus Russland soll sich die Mutter nie wieder um ihren Sohn gekümmert haben. Mein Vater schrieb dazu entschuldigend: „Sie war wohl sehr krank.“

Viel mehr hat er über die Assenheimerin auch nicht in Erfahrung bringen können. Meine Großmutter, die eine sehr feine Dame war und stets in höchsten Tönen von der Wichtigkeit ihres Großvaters sprach, konnte recht ungehalten werden, wenn mein Vater darauf hinwies, sie stamme von einer Marketenderin ab. Schade, dass beide nicht mehr erleben konnten, wie aus unserer Ahnin eine Romanfigur wurde.

Mit der Wirklichkeit hat die Juliane Assenheimer meines Romans also eher weniger zu tun. Ich gestehe hiermit, unsere Familiengeschichte umgebogen zu haben.

Hier sind die bekannten Fakten: Auguste Juliane Assenheimer war ehelich geboren und bereits zweiunddreißig Jahre alt, als sie mit ihrem Mann, dem Korporal Matthäus Schreiber, nach Moskau zog. Jakob wurde nicht – wie im Roman geschildert - in Moskau geboren, sondern am 6. 2. 1809 (genau 100 Jahre vor meinem Vater) in Schorndorf.

Die Liebesgeschichte zwischen Juliane und Johannes Gerter habe ich frei erfunden, um die Erzählstränge miteinander zu verbinden.

Wie im Rausch schrieb ich den Roman innerhalb von nur sechs Wochen fertig. („Das dürfen Sie niemals jemandem verraten“, hat mir damals mein Verleger zugeraunt.) Jede wache Minute saß ich vor dem mir damals noch recht neuen und unvertrauten PC. Wenn ich schlief, träumte ich die Träume der Assenheimerin. Hungernd und frierend stapfte ich durch tiefen Schnee, erschoss Menschen, die mir zu nahe kommen wollten, riss mit den Zähnen Fleisch aus sterbenden Pferden, versank in eisigen Fluten und verstand die Welt um mich herum nicht mehr. Lass es endlich Frieden werden!

Längst ging es mir nicht mehr nur darum, Schriftstellerin zu werden; ich musste diese Geschichte erzählen und diesen Feldzug überleben. Den Menschen in meiner Umgebung schauderte in jener Zeit vor mir. Ich muss mit glasigen Augen herumgeschlendert sein, Essen in mich hineingeschlungen und Scheußliches erzählt haben.

Mein Roman wurde ein großer Erfolg. Vier unterschiedliche Verlage haben im Laufe der Jahre die Ursprungsfassung veröffentlicht. Dabei ist die Rechtschreibreform mit ihren vielen Änderungen und Anpassungen über das Buch hinweggegangen: Es wurde von meiner noch alten in die ganz neue, in eine moderat neue, wieder in die alte und dann wieder in eine aktuellere Rechtschreibung gesetzt. Ich erschrak, als ich die im Weitbrecht Verlag erschienene Erstausgabe (1998) in Händen hielt. Die in Baden-Württemberg damals übliche extreme neue Rechtschreibung verzichtete fast gänzlich auf Kommata – was meine Bandwurmsätze sogar für mich gelegentlich nahezu unverständlich machte. (Im nächsten Roman „Die Rebellin“ wurden meine Sätze deshalb erheblich kürzer!) Es juckte mir schon damals in den Fingern, meinen Erstling zu überarbeiten. Doch ich war Schriftstellerin geworden, konnte sogar davon leben und musste deshalb jedes Jahr etwas Neues liefern.
Inzwischen habe ich sechzehn Romane geschrieben und viel dazu gelernt. Mir wurde immer wichtiger, die Feinheiten der Sprache herauszuarbeiten. Darauf hatte ich im Eifer des Schreibens bei meinem ersten Roman leider überhaupt nicht geachtet.

Schon deshalb war ich sehr beglückt, als mir der Ammianus Verlag die Gelegenheit bot, meinen ersten Roman zu überarbeiten. Am Inhalt habe ich nichts geändert, aber hier und da sprachlich einiges geglättet, Überflüssiges herausgenommen und Sätze eingekürzt. Das Abenteuer, mich nach fast zwanzig Jahren wieder um meinen Erstling zu kümmern, ähnelt vielleicht jenem, nach zwei Jahrzehnten einem vernachlässigten, aber dennoch geliebten Kind wiederzubegegnen. Man kann nicht alle Erziehungsfehler wieder gut machen, ist aber froh, dass es dennoch gut geraten ist, Spannendes aus seinem Leben erzählen und anderen Menschen Freude bereiten kann.

Martina Kempff, Bergisches Land 2015

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Nachwort zur überarbeiteten Neuauflage von „Die Rebellin von Mykonos“

Auf der beliebten Touristeninsel Mykonos lebt Mando Mavrojenous (auch: Manto Mavrogenous) in der Erinnerung der Einheimischen und im Namen diverser Bars, Cafés und Hotels weiter. Auch jener zentrale Platz am Hafen, wo ihr – wie auch auf Paros und in Athen – ein Denkmal errichtet wurde, ist nach ihr benannt worden. Reisende konnten früher unbesorgt ihre Rucksäcke zu Füßen der hohen Büste legen, während sie auf Zimmersuche gingen. Deshalb hatte ich die Steinfigur zunächst für eine Schutzheilige des Eigentums gehalten. Erst sehr viel später erfuhr ich, wen sie wirklich darstellt und welche Bedeutung sie für die griechische Geschichte hat.

Die Idee zu diesem Roman aber reifte, als ich schon längst nicht mehr auf Mykonos lebte. Schweren Herzens hatte ich die Insel im Jahr des deutschen Mauerfalls verlassen. Auch für mich war es damals Zeit für einen Neustart gewesen. Also zog ich nach Amsterdam, baute mir dort eine Existenz als Übersetzerin auf und schrieb meinen ersten historischen Roman „Die Marketenderin“. Dieses Buch kam im deutschsprachigen Raum so gut an, dass ich mich darauf freute, einen weiteren Roman schreiben zu können. Am liebsten wieder über eine bemerkenswerte Frau und am allerliebsten über eine, die mich zumindest literarisch nach Griechenland zurückbringen könnte.

Da fiel mir die Büste am Hafen von Mykonos ein. Welche Geschichte steckte hinter dieser Frau, deren Bildnis in einem Land der Männerherrschaft auf einen Sockel gestellt worden ist? Ich kehrte für ein halbes Jahr auf die Insel zurück, die so lange mein Zuhause gewesen war. Dort wie auch später in Nauplia und Athen folgte ich den Spuren Mandos.

Langsam entfaltete sich dabei das Bild einer spannenden und zerrissenen Persönlichkeit. Mando hatte nicht nur der türkischen Besatzungsmacht den Kampf angesagt, sondern auch dem Verhaltenskodex, der das Leben der griechischen Frau einengte. Interessanterweise aber machte sie sich gerade manche dieser Konventionen zunutze, um ihrem Land zur Unabhängigkeit und sich selbst zu größerer Freiheit zu verhelfen.

Frauenleben in den 1980er Jahre auf der Insel Paros

Das fand ich nicht immer sympathisch, aber nachvollziehbar und durchgängig faszinierend. Schließlich hatte ich Anfang der Achtzigerjahre selbst erlebt, wie eingeschränkt sich noch damals das Leben der meisten einheimischen Frauen auf Paros gestaltete. So heftig sie im Familienkreis auch das Zepter schwenken mochten, außerhalb des Hauses hatten sie wenig zu melden, wenn man sie denn jenseits von Einkauf und Kirchgang je sah. Ich saß in ihren Küchen, wo sie mit grimmiger Lust und unübersetzbaren Ausdrücken Salatgurken in Scheiben hieben. Ungeschulte Mütter diktierten mir Briefe an die Verwandtschaft in fernen Landen, und ihre Töchter baten mich, ihnen Englisch beizubringen. Die Söhne sollen lernen, murrten die Mütter, doch diese hatten meist wenig Lust und wollten höchstens ein paar Phrasen aufsagen können, um Touristinnen anzumachen oder Hotelzimmer zu vermieten. Die Mädchen aber lernten wie besessen – beseelt von der Hoffnung auf ein Leben jenseits der Insel. Bildung war ihr Ticket in die Freiheit vom Zwang einer vorgezeichneten Zukunft. Sie löcherten mich mit Fragen. Und verstanden nicht, weshalb ich mich freiwillig auf jener Insel niedergelassen hatte, die sie um jeden Preis verlassen wollten.

Eines Tages stellte mir eine junge verheiratete Frau eine Frage, die mich ungemein verstörte: „Warum lassen sich Touristinnen mit unseren Männern ein? Heiraten können sie die nicht und Geld nehmen sie dafür auch nicht. Ich bin froh, wenn mich mein Mann in Ruhe lässt, aber was haben die ausländischen Frauen denn bloß davon?“

Als mir dann noch auffiel, dass junge verheiratete Frauen den Verlauf der Zeit oftmals so markierten: „Das war nach meiner vierten … fünften … oder sechsten Abtreibung …“ suchte ich die Hebamme des Ortes auf, eine offene und aufgeklärte Frau aus Athen.

„Ärzte reden den Frauen ein, die Pille mache krank“, sagte sie. „Wenn die Frau schon einen oder zwei Söhne geboren hat, raten sie zur Abtreibung als Empfängnisverhütung. Das ist für den Arzt deutlich lukrativer.“ Sex, so bestätigte sie, betrachteten die meisten jungen Frauen ausschließlich als lästige eheliche Pflicht, der sie nachgehen müssten, um einen Sohn zu gebären. Denn wenn dieser irgendwann selbst heiratete, hatte sie mit einer Schwiegertochter zum Rumkommandieren die höchste Stufe der ihr möglichen Macht erreicht. Töchter waren nicht nur nicht erwünscht, sondern oftmals eine Katastrophe: Deren Mitgift konnte eine Familie ruinieren. Es gehörte sich nämlich, jede Tochter zur Hochzeit mit einem fertig eingerichteten Eigenheim auszustatten und den frischgebackenen Ehemann mit genügend finanziellen Mitteln für ein eigenes kleines Unternehmen. In manchen Familien legten sich Vater und Söhne hauptsächlich für die Aussteuer des weiblichen Nachwuchses krumm.

Mittelalter, dachte ich, nicht wissend, dass ich viele dieser Erfahrungen Jahre später in einem historischen Roman verarbeiten würde, der im 19. Jahrhundert spielt.

Damals wollte ich sofort etwas tun. Also gründeten die verzweifelte Hebamme, meine Freundin Dina, eine gebildete Athenerin, und ich ein „Frauen-Kafenion“. Im Remezzo, der Bar von Dinas Ehemann, luden wir jeden Mittwoch die Frauen von Naoussa zu Vortrag und Gespräch ein. Mit Stick- und Strickzeug bewaffnet schlichen also junge Inselbewohnerinnen am Nachmittag in die ihnen bis dato nur von außen bekannte Bar, dahin, wo mancher Ehemann sonst Touristinnen ansprach.

Doch unserem Aufklärungsprogramm war nur ein kurzes Leben beschieden. Wer sprengte nach dem dritten Treffen die Versammlung? Die alten Frauen! Keifend trieben sie ihre Schwiegertöchter aus dem Laden und beschimpften uns, ihre Mädchen dem Verderben auszuliefern.

Kurz danach verließ ich Paros. Auf der kosmopolitischen Insel Mykonos sahen Leben und Lieben deutlich anders aus.

Als ich dann sehr viel später über Mando schrieb, war mir eins klar: Meine Heldin sollte auf jeden Fall Freude am Liebesakt haben, und das wollte ich deutlich schildern. Daran sind auch die Schwiegermütter von Paros schuld.

Meine eigene Mutter war über die expliziten Sexszenen in meinem Roman nicht glücklich. „Deshalb kann ich das Buch meinen Freundinnen nicht schenken“, klagte sie. „Die werden alle fragen, ob Martina das selbst so erlebt hat.“

Fakt und Fiktion
In der Nähe ihres Denkmals auf Mykonos befindet sich Mandos einstiges Haus. Es ist heute öffentlich zugänglich, da es die Inselbibliothek beherbergt. An der Wand kann man den weitverzweigten Mavrojenous-Stammbaum studieren. Da wundert es nicht, dass fast jeder Einheimische behauptet, mit Mando verwandt zu sein, und mir viele Mykoniaten mit großer Freude bei meinen Recherchen halfen.

Als ich mich Ende der Neunzigerjahre an meinen Roman setzte, war das Internet noch keine Hilfe. Ich sammelte meine Informationen also vor Ort. Mitarbeiter der Inselverwaltung freuten sich sehr, dass ich ihrer Heldin ein literarisches Denkmal setzen wollte, und überreichten mir die von ihnen herausgegebene damals gerade erst erschienene Biografie von Manouil Tassoulas über Mando. Als historischer Leitfaden war dieses Buch sehr wertvoll.

Doch hauptsächlich setzte ich mir vieles aus mündlich überlieferten Geschichten zusammen und erfuhr im Nebenlauf mehr über Sitten, Gebräuche und Legenden der Insel als in den acht Jahren, in denen ich mit den Mykoniaten zusammengelebt hatte. Endlich wusste ich, was hinter den Yaloudes-Puppen in den Touristengeschäften steckte und was es mit dem Riesen auf sich hatte, vor dem sich die Kinder fürchteten.

Mando war nicht nur eine reiche Aristokratin gewesen, die ihr gesamtes Vermögen dem griechischen Freiheitskampf geopfert hatte, sondern sie soll sogar als Kriegerin eigenhändig die Türken von Mykonos vertrieben haben. Und als ob das noch nicht genügte: Sie hatte tatsächlich in wilder Ehe mit dem Freiheitskämpfer Dimitris Ypsilanti zusammengelebt, den Respekt des in vielen Liedern immer noch besungenen alten Recken Kolokotrinis gewonnen und auf alle Konventionen der Zeit gepfiffen. Viele ihrer Landsleute fühlen sich heute noch schuldig bei dem Gedanken, dass diese beeindruckende Frau als Fußnote der griechischen Geschichte verarmt und vergessen gestorben ist. Erst nach ihrem Tod hat man sich ihrer Verdienste wieder erinnert und ihr auf Paros ein eindrucksvolles Leichenbegängnis gestaltet.

Während in den Archiven keine Unterlagen darüber Aufschluss geben, wie Mando die Türken bei ihrem zweiten Ansturm von Mykonos verjagt hat, fand ich die Antwort gewissermaßen vor der Haustür: Als ich das Buch in einem Häuschen am – damals noch unverbauten - Strand von Kalo Livadi schrieb, deutete mein Vermieter aus dem Fenster und erzählte mir die Geschichte von der zum Dampfschiff verwandelten Felsengruppe. Die Steinhütte oberhalb des Strandes stammt tatsächlich aus dem 19. Jahrhundert und hätte Mando und Marcus durchaus als Liebesnest gedient haben können – wenn es denn diese Affäre wirklich gegeben hätte. Unwahrscheinlich ist sie nicht, aber Belege dafür waren natürlich nicht zu finden. Tatsache aber ist, dass Mando in Marcus‘ Haus auf Paros an Typhus gestorben ist.

Die Geschichte des englischen Lords und der einstigen seltsamen „Kurzheiratsgebräuche“ der Insel Mykonos entnahm ich der Schrift des Insellehrers, Historikers und Literaten Panayiotis Kouthasanas mit dem Titel: „Ein irischer Lord auf Mykonos, Delos und Rhenia im Jahr 1749“. Mando hat Dimitri Ypsilanti tatsächlich mit dem gleichen Trick hereinlegen wollen. Wenn man bedenkt, wie verzweifelt und mittellos sie damals gewesen ist, verübelt man es ihr vielleicht weniger.

Ich habe mich in diesem Roman streng an alle überlieferten Fakten und Daten gehalten. Und nur sehr wenige Figuren erfunden: Vassiliki (wiewohl Ali Pascha tatsächlich eine Gefährtin dieses Namens hatte), die Dienstboten in Nauplia, Hussein Pascha, sowie Selim und seine Frau. Fast alle anderen Protagonisten sind mir bei meinen Recherchen begegnet, sogar Marmellakis, der letzte Seeräuber von Mykonos. Dass Mando eine Tochter geboren hat, ist allerdings auch nicht verbürgt, aber darüber kursierten durchaus Gerüchte. Unstrittig ist, dass sie von ihrem Onkel auf Tinos für den Freiheitskampf rekrutiert und ausgebildet worden ist – zusammen mit dem armen Jakinthos. Auch ihre Entführung aus Nauplia und Zurückverfrachtung auf die Heimatinsel sind historisch belegt. Ihr Vater ist wahrscheinlich nicht ermordet worden, sondern starb wohl tatsächlich an einem Herzinfarkt. Der grüne Kasten allerdings ist ein Produkt meiner Fantasie.

„Die Türken kommen!“

Vierhundert Jahre türkische Besatzung hinterlassen ihre Spuren. Vor allem im kollektiven Gedächtnis. Zurück zu den 1980er Jahren: Wenn damals irgendwo in der Ägäis ein türkisches Kriegsschiff gesichtet wurde oder es mit der Türkei Streit um eine Felseninsel oder Ölschürfrechte gab, brach auf Mykonos und den anderen Inseln Panik aus. Fassungslos beobachtete ich die Hamsterkäufe in den Märkten und hörte die Aufrufe an junge wehrpflichtige Männer.

„Die Türken kommen!“, wurde ich angefaucht, wenn ich vorsichtig darauf hinwies, dass sich wohl kaum zwei NATO-Staaten bekriegen würden. „Du verstehst das nicht!“ Die Angst ging um, Angst vor den Türken, die nur im Sinn hätten, ihr altes Osmanisches Reich wieder zurückzuerobern. Dieser Angst war mit rationalen Argumenten nicht zu begegnen. Auch nicht jenen Griechen, deren Namen auf -glou endete, was eine eigene türkische Herkunft mehr als nur erahnen lässt. Umso überraschter war ich, als der Vater meiner Freundin Zeta, ein selbst einst aus Kleinasien vertriebener Grieche namens Aristoteles, mir sagte: „Wir sollten eigentlich keine Probleme mit den Türken haben, im Verlauf der Jahrhunderte sind sie doch unsere Brüder geworden.“

Wie gut sich beide Länder verstehen können, zeigte sich, als sowohl die Türkei als auch Griechenland kurz nacheinander von Erdbeben heimgesucht wurden – und sich Bürger beider Länder spontan gegenseitig Hilfe leisteten. Ich bleibe zuversichtlich, dass die Türkei und Griechenland auch bei der Lösung der aktuellen Probleme gemeinsame Wege einschlagen werden.

Herzlich bedanken möchte ich mich bei den vielen Mykoniaten, die mich mit Anekdoten, Überlieferungen und Legenden versorgt haben. Suzy Hanioti half mir bei der Entzifferung von Mandos Briefen, und meine Freundin Zeta Bairaktari recherchierte in den Archiven von Nauplia und führte mich zu Mandos dortigen Domizilen. Zeta und den Menschen von Paros und Mykonos ist dieses Buch gewidmet.

Martina Kempff, Bergisches Land 2016

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Nachwort zu Kathedrale der Ketzerin:

Meine Leser mögen mir bitte verzeihen: Erstmals habe ich in einem Roman eine Hauptfigur erfunden - Clara. Allerdings hätte es eine solche Tochter des Grafen von Toulouse durchaus geben können; dieser Herr zeugte unzählige Bastarde, von denen sich viele den Katharern angeschlossen haben. Claras Weg war kein ungewöhnlicher für eine adelige Dame aus Okzitanien.

Ursprünglich sollte es in diesem Buch ausschließlich um Blanka von Kastilien gehen. Doch ich begriff im Verlauf der Recherche und des Schreibens, wie viele Blickwinkel ich zur Schilderung dieser unübersichtlichen, wirren und abenteuerlichen Zeit brauchte. Und so schlich sich Clara in die Geschichte ein, gewissermaßen die andere Seite jener Medaille, die Blanka heißt.

Alle anderen historischen Figuren haben gelebt, und an den geschichtlichen Fakten habe ich nicht gerüttelt, nur natürlich manches ausgeschmückt. Und sehr viele wichtige Persönlichkeiten und Ereignisse – vor allem jene, die den Zwist mit England betreffen - unerwähnt lassen müssen, weil dies sonst den Rahmen der Geschichte gesprengt hätte. Blankas Reise nach Rom habe ich - wie auch die Person der Lisette - erfunden, nicht aber die Tatsache, dass sie ein heimliches Gelübde abgelegt hat, von dem sie der Papst später befreite. Historiker grübeln heute noch darüber nach, um was es dabei gegangen sein mag. Als Romanautorin habe ich darauf eine Antwort gefunden.

Der Beweis, dass Theobald König Ludwig vergiftet hat, ist nie erbracht worden, das Gerücht aber hält sich hartnäckig seit Jahrhunderten. Unstrittig ist seine ungeheuerliche Verehrung für Blanka, die er in zahlreichen Liedern dokumentiert hat. Sein ganzes Werk, dem Dante übrigens Tribut zollte, wurde 1851 von Prosper TARBÉ in der altfranzösischen Originalsprache veröffentlicht, zusammen mit einem ausführlichen Text über Herkunft, Leben und Taten des Grafen von Champagne und über seine Beziehung zu Blanka von Kastilien. Ich habe die Übersetzung einiger seiner Verse manchen Kapiteln vorangestellt, mir aber erlaubt, die Gedichte im Roman nach dem Muster höfischer Lyrik selbst zu verfassen. Der von ihm gestaltete Vertrag von Paris/Meaux gilt auch heute noch als juristisches Meisterwerk. „Und das in einer Zeit, in der die verschiedenen Fragen meist ohne große Logik und ziemlich verworren abgehandelt werden“, schreibt Règine Pernoud in ihrer großartigen Blanka-Biografie Herrscherin in bewegter Zeit.
Als König von Navarra starb Theobald im Jahr 1253, ein halbes Jahr nach der von ihm so feurig verehrten Blanka. Die übrigens bis zu ihrem Tod allein regierte, ohne Kronrat oder andere Institution. Und eigentlich auch ohne ihren Sohn, den König. Wie der Historiker Gerd Treffer schreibt: „In der Praxis wird Ludwig der Vormundschaft seiner Mutter erst durch ihren Tod entrinnen.“ Blanka soll übrigens eine grauenhafte Schwiegermutter gewesen sein.

Über eine Liebesbeziehung zwischen ihr und Raimund VII. von Toulouse gibt es historische Gerüchte zuhauf, aber keinerlei Belege. Außerdem wurde ihr ein Liebesverhältnis mit dem päpstlichen Legaten Frangipani nachgesagt, was ich aber angesichts ihrer gut belegten Frömmigkeit für unwahrscheinlich halte und daher nicht aufgegriffen habe. Raimund wird seinem Kreuzzugs-Gelübde erst im Jahr 1249 nachkommen, stirbt jedoch auf dem Hinweg. Die Ehe seiner Tochter Johanna mit Prinz Alfons galt als glücklich, blieb aber kinderlos.

Die geheimnisumwitterte alte Königin Ingeborg stirbt 1236 in Corbeil, wo sie auch bestattet wird.

Über die Katharer ist viel geschrieben und spekuliert worden, wiewohl sie selbst kaum schriftliche Zeugnisse hinterlassen haben. Den umfassendsten Einblick in ihren Glauben und Alltag bietet ausgerechnet ihr ärgster Feind: Die Inquisition hat penibel Protokoll über die Prozesse geführt. Ich verweise jeden, der mehr über diese Glaubensgemeinschaft wissen will, auf die Bibliografie am Ende dieses Romans. Derzeit erleben die Katharer gewissermaßen eine Renaissance, wie ich auf meiner Reise durchs Languedoc feststellen konnte, wo mich überall auf Schildern das Land der Katharer grüßte. An dieser Stelle möchte ich mich bei meiner alten Schulfreundin Sabine Stenger bedanken, die in Carcassonne lebt und mir viele nützliche Hinweise gegeben hat. Dank gebührt auch meinen Freunden Brigitte Ahrens und Thomas Augustin, mit denen wir durch das Languedoc gereist sind und ein unvergessliches Gewitter im Schutz der Burgruine des Montségur erlebt haben. Ich danke auch Claude-Cyrill Laurent, der die erste Fassung des Manuskripts gelesen und nicht nur gewisse geografische Unstimmigkeiten richtig gestellt, sondern mir auch den Unterschied zwischen einem Troubadour und einem Trouvère erläutert hat (siehe Glossar). Dank auch an Roswitha Follmann, die alles über die Garderobe des Mittelalters weiß und an Gisela Leuer, die sich in Religionen aller Art bestens auskennt und mich beim Schreiben angefeuert hat. Natürlich gebührt meinen beiden Lektorinnen Christine Neumann und Anja Rüdiger ebenfalls Dank. Aber vor allem möchte ich mich bei meinem Lebenspartner Michael bedanken. Ohne seinen unermüdlichen Ansporn, seine Kritik, seine fundierten Ratschläge, seine Begeisterung für das Thema und seine Liebe wäre es mir erheblich schwerer gefallen, die Fülle des Materials zu einem Roman zu verarbeiten, dessen Schreiben mir viel Freude bereitet hat.

M.K. Januar 2011

 

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